Just a little bit Death

Journeys with a Psychopomp

Liquor Teil 1

Posted by psychopomp - Juni 25, 2006

Ich veröffentliche hier mal eine Leseprobe eines Textes, den ich nun seit einiger Zeit schreibe. Kommentare könnt ihr gern loswerden. Da dies das erste Kapitel ist können sehr wohl Unklarheiten und auch Undeutlichkeiten auftreten. Laut bisherigen Lesern, kann man alleine aus dem ersten Kapiterl nicht auf die Handlung des gesamten Textes schliessen.

Ach ja noch was: es scheint so als sei dieses Fragment hier jetzt schon über ein Jahr alt. Trotzdem können immer noch Schreibfehler auftreten. Ich würde mich freuen, wenn diese auch gemeldet werden könnten.

1

Ein Gedanke.

Ein simpler Gedanke war es der Wlastias gebar.

Der Gedanke eines Bürgers von Khal’thæn. Genauer, der Gedanke von Iavmir Nevraiocha.

Eigentlich war Nevraiocha nicht ein Bürger im herkömmlichen Sinne. Er hatte immer nur so viel Geld, wie er brauchte, um sich selbst ernähren zu können; er hatte, seit er unfähig geworden war einen Beruf auszuüben kein Obdach mehr und allgemein wurde er gern als nichtsnutzigster Penner von ganz Khal’thæn angesehen. Doch seit der Zha’Wion Dynastie war es verboten Unterschiede zwischen Bürgern und Unbürgerlichen zu machen. Und auch wenn niemand dieses Gesetz einhielt, so wird es doch hier im Text eingehalten, um dem verstorbenen Kardinal Vsio Zha’Wion die Ehre zu erweisen.

Nevraiocha war ein eher kleinwüchsiger Mann mit grauem Haar, der etwa um die 60 Winter erlebt hatte. Man erkannte ihn vor allem an seinen 3 fehlenden Fingern, die vor seiner Zeit als Schreiner noch an seiner Hand hingen, und der dunklen Höhle, die die Stelle seines Auges einnahm – viel Talent zum Dieb hatte er nie gehabt und die Strafen des Kardinals waren hart.

An diesem Morgen watschelte der einäugige resigniert durch die Gassen seiner Heimatstadt die roch wie ein Dutzend tote Ratten grilliert auf einem Feuer aus Pferdedung, ein Geruch, den er als Heimat definierte.

Er war ein bisschen gelangweilt auf der Suche nach dem was ihn ernährte: eine verlorene Münze oder einen hilflosen Tourist der so töricht gewesen war sich in die Elendsviertel vorzuwagen. Er war auf sein Glück angewiesen wenn es darum ging solche Dinge zu finden, denn häufig waren diese Gelegenheiten schon von schnelleren „Bürgern“ ergriffen worden. Fortuna hatte aber allem Anschein an eine Schwäche für den zittrigen alten Mann, vielleicht hatte sie auch nur Mitleid, Auf jeden Fall stiess der Alte heute schon wieder auf eine dieser kleinen, verängstigten Gruppen aus verirrten Fremdländern, die viel auf sich trugen und wenig Gegenwehr leisteten. Er hielt genau auf den Reiseleiter zu der ihn auf Ktailanisch nach dem Weg fragte, aber da Iavmir noch nie das Vergnügen gehabt hatte die kalten Sümpfe von Ktaila zu besuchen, ging er nach dem Arbeitsablauf vor, der ihm schon fast zur Routine geworden war: Die Opfer in eine dunkle Gasse führen (wobei man sagen muss, dass in diesem teil der Stadt so gut wie alle Gassen dunkel waren), und den Anführer bewusstlos schlagen bevor er reagierte, die anderen aus der Gruppe waren nach dieser Gewalttat meistens so erschüttert, dass sie ohne Zögern, ihr Hab und Gut in die gierigen Hände des Angreifers legten. So auch dieses Mal, und wie immer war Nevraiocha überrascht über die Leichtigkeit des Verbrechens, er fragte sich immer wieder wie jemand so einfach all sein Geld hergeben konnte.

Das Geld zählend schritt er durch die Gassen des Elendsviertels, vorbei an dunklen Gestalten und verlassenen Ruinen. Die Beute würde etwa für drei Mahlzeiten reichen, wenn er bei Wlad Meprek nicht wieder zu viel trank. Die Bar führte sein ganzes Geld in Bier den Bach runter, und zwar meistens im wörtlichen Sinne. Iavmir wusste dass er den Alkohol nicht mehr so gut vertrug wie früher, aber er hatte auch viele Probleme zu vergessen. Dieses Mal jedoch durfte er nicht wieder sein Geld so leichtfertig versaufen. Er hatte bemerkt, dass wieder die kalte Jahreszeit aufkam, und er wusste aus Erfahrung, dass Khal’ thæn in diesen feuchten Monaten, die für ihre Eisleichen bekannt war, für Reisende noch weniger attraktiv was als sonst. Auch das Glück verliess ihn immer in dieser Jahreszeit, so hatte er jedenfalls dass Gefühl, jeder anständige Beruf, den er gehabt hatte, habe in einem Winter geendet. Und in diesen Zeiten musste er merken wie hart es war im Winter ohne Geld und Obdach zu überleben.dunkle Gasse Wieder und wieder nahm er sich dasselbe vor: „nur eine Mahlzeit und ein Glas Wasser, eine Mahlzeit und ein Glas Wasser, Kein Rum, Kein Bier, nur Wasser und etwas zu essen.“

Die Verzweiflung wuchs in ihm, wenn er schon an die vielen Flaschen in den Regalen der Bar dachte, sie waren alle seine Freunde geworden, und halfen ihm zu vergessen, wie unangenehm sein Leben doch war, aber wenn er in den letzten zwanzig Jahren seines Lebens etwas gelernt hatte, dann vor allem, dass jeder Tropfen Alkohol Kater und Hunger verursachte. Also kein Alkohol für heute und keiner für morgen. Er öffnete die Tür und der Gestank von Bier und Erbrochenem schwappte ihm entgegen. Die Bar war fast leer, nur der etwas festere Wirt stand hinter der Theke und putzte den Tresen in dieser Art wie es Wirte die ganze Zeit über zu tun scheinen. „Ah da is er ja, mein Lieblingsgast. Was darfs `n sein? `n Bier? `n Schnaps?.“ Iavmir linste traurig in Richtung des Rums „Danke Wlad, heute nur ein bisschen Brot und ein Glas Wasser.“

Der Wirt schaute in das leuchtende Auge des Alten, die orange- grüne Farbe hatte es von Geburt an, zwar waren orange und grüne Töne nicht selten, aber eine Mischung daraus war schon etwas Besonderes. „Hast de kene Beute gemacht?“ Fragte der Wirt in einem besorgten Unterton, er kannte den Alten wahrscheinlich besser als jeder andere, was auch nicht gerade für Iavmir sprach „haste Yanla Fortuna kene Gaben gebracht?“ Iavmir schien sich ausserordentlich für die Maserung des Tisches zu interessieren während er sprach: „ich habe dir doch gesagt dass ich den Göttern nicht mehr huldige, sie haben mich im Stich gelassen, sieh mich an, was siehst du? Einen alten Mann, der sein ganzes Leben damit verbracht hat zu überleben…. Armselig, und dann lassen sie mich nicht einmal sterben, ich wette Kran hat Freude daran mich Leben zu lassen.“ Wlad verschwand in der Küche, doch sein Gast redete unbeirrt weiter: „ rechne mal nach, wie lang komme ich jetzt schon jeden Abend zu dir, um mir den Frust von der Seele zu reden? Seit zwanzig Jahren, und davor war dein Vater im Geschäft, ich habe mich als Tischler versucht, und war zu ungeschickt, dann wollte ich Alchemist werden und war zu dumm, des weiteren Einbrecher, doch da war ich zu langsam. Als Mönch was ich zu auffällig. Nur als das was ich bin tauge ich was, als alter Mann mit gebrochenem Stolz. Ich lebe doch nur noch weil ich leben muss.“

Meprek brachte die verlangten Speisen und setzte sich neben den essenden Iavmir. Er hatte gelernt zuzuhören, wenn jemand etwas erzählte, einerseits konnte er so auf Geld hoffen andererseits, war es eine völlig andere Lebensansicht, die sich ihm eröffnete, wenn er die Geschichten seiner Kunden hörte. Das Sprichwort war schon wahr: Reise und du siehst die Welt; höre und du verstehst sie. Er wusste noch aus seiner Schulzeit, dass diese Worte von einem Kal’thænschen Philosophen stammten, doch den Namen hatte er vergessen, es war irgendwas mit Ktjo… Sie hatten damals gerade die sekundäre Revolution … „Was habe ich getan um das zu verdienen?“ Der Wirt verwarf den Gedanken und konzentrierte sich wieder auf den Mann der vor ihm sass und auf ihn einredete, vielleicht führte er auch Selbstgespräche, auf jeden Fall redete er. „Ich bin immer an die Messe gegangen, habe Kran dem Vater und Wrja der Mutter geopfert und gebetet wie ein Mönch. Ich habe sogar abstinent gelebt, weil ich glaubte ich würde so den Göttern einen Gefallen machen. Aber sie scheinen sich ja nichts aus mir zu machen, sie lachen über mich auf ihren Himmlischen Thronen mit ihren himmlischen Drinks in der Hand, sie lachen über jedes Unglück das mir zustösst.“ Der Wirt sah ihm in die Augen und entdeckte die typische Mischung aus Zorn und Resignation, die er bei dem alten Mann in der letzten Zeit häufiger gesehen hatte. „Vielleicht hat das alls sein’n Grund, Mensch’n verstehen nicht was Götter wag’n.“

Sprach er in dem Versuch den Alten aufzumuntern. Doch sein Gegenüber stiess diesen Versuch zurück, der Grund sei die Unterhaltung der ach so göttlichen Hoheiten und ewigen Majestäten des Himmels und der Höhe „ weißt du was vielleicht gibt es all diese Götter gar nicht, vielleicht sind Yanla, Kran, Wrja, Pskjo, Waschiz und all die anderen da oben in der Höhe nur Fantasien. Vielleicht gibt es nur Wlastias, Wlastias, der pünktliche … ja genau, wie gefällt euch das meine himmlischen Heerscharen, es gibt euch nicht, es gibt nur Wlastias, den wahren Vater!“ Wlad schaute verängstigt seinen Kunden an, dieser war während seiner Rede mit einem irren Funkeln im Auge auf den Tisch gesprungen und hatte angefangen mit seinem Essen nach der Decke zu werfen. „geht’s dir auch gut?“ „ja mir geht’s bestens bei Wlastias, das muss begossen werden, gib mir nen Rum.“

Der Wirt sah misstrauisch zu seinem Kunden, er zweifelte, dass Alkohol angebracht war, aber Geld war nun mal Geld. Er griff nach der rot gefärbten und von ständiger Benutzung schmutzigen Flasche, die mit dem verlangten Getränk gefüllt war. Auch nüchtern machte sein Kunde schon einen schon sehr wirren Eindruck, er schien leise die Götter zu verneinen und zu seinem eigenen Gott zu beten. „Biste sich’r dass de das jetzt verträgst?“

Anstatt eine Antwort zu geben, griff Iavmir nach der Flasche. Er durchbohrte die Flasche über eine lange Zeit förmlich mit seinen Blicken und schien zu zögern, dann riss er den verschimmelten Korken vom Objekt seiner Begierde und begann zu trinken. Schluck um Schluck des Alkohols, rann geräuschvoll seine Kehle hinunter, während sich der Blick seines Auges trübte. (…)

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Eine Antwort to “Liquor Teil 1”

  1. Tischler said

    🙂

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